Spanien · Sierra Nevada · Geopark Granada
Hoch oben, weit unten
La Almunia del Valle, Sierra Nevada — und die Gorafe-Wüste dahinter.
Kurz nach Sonnenaufgang ändert sich die Farbe der Felswände. Erst grau. Dann gold. Dann ein warmes Rostrot, das langsam die Sierra Nevada hinabwandert. Das genüsslich zu beobachten, eine Tasse Kaffee in der Hand — das ist einer der friedlichsten Momente, die dieser Ort schenkt.
Manchmal, wenn man Glück hat, kreuzen Steinböcke die Felsen gegenüber.
Man sitzt dabei am Frühstückstisch. Orangensaft, warmes Brot, regionale Produkte. Und blickt hinaus in eine Weite, die man so in Spanien nicht erwartet hatte.
Was das ist
La Almunia del Valle ist ein Landgut aus dem 17. Jahrhundert — urkundlich belegt durch die Granadiner Kanzlei — eingebettet in den Nationalpark Sierra Nevada, 17 Kilometer südöstlich von Granada. Das Dorf Monachil liegt einen Kilometer weiter unten. Das Haus liegt darüber.
Eine Almunia war im maurischen Andalusien ein Sommersitz, ein Rückzugsort. Der Name ist kein Zufall. Ein Bewässerungskanal — möglicherweise älter als das Haus selbst — durchzieht noch heute das gesamte Grundstück. Er füllt Zisternen, bewässert Oliven-, Mandel- und Obstbäume, und gehört einer Gemeinschaft von Eigentümern, die das Wasser seit Jahrhunderten unter sich aufteilen. Ein System, das funktioniert, seit man sich erinnern kann.
Das Landgut. Die kleine Holzbrücke führt über den maurischen Bewässerungskanal. — © La Almunia del Valle
15 Zimmer, alle mit privater Terrasse und Blick auf das Tal des Río Monachil. Pool mit Bergwasser. Restaurant, Bibliothek, Cocktailbar. Von weitem ist das Haus kaum zu sehen — es fügt sich in den Hang ein, als wäre es immer dort gewesen.
Was man dort erlebt
Man frühstückt auf einer Terrasse, die in die Hanglage eingebaut ist. Unter einem das Tal. Dahinter die Gipfel. Man nimmt sich Zeit und genießt.
Frühstück auf der Terrasse. Hinter dem Feigenbaum: das Tal, die Berge, die Weite. — © La Almunia del Valle
Monachil ist bekannt als einer der lebendigsten Abenteuersport-Orte der Region — Klettern, Paragliding, Canyoning, Mountainbike, im Winter Ski. Das Dorf summt vor Aktivität. La Almunia del Valle liegt einen Kilometer darüber und dreht das Tempo vollständig herunter. Man kann beides haben.
Dann geht man los — direkt vom Hotel. Zwei Kilometer weiter unten beginnt die Schlucht Los Cahorros: enge Kalkfelsen, eine 63 Meter lange Hängebrücke, natürliche Steinpools, ein alter Taubentunnel. Schön. Mittlerweile an Wochenenden gut touristisch besucht.
Die Los Cahorros-Schlucht, 2 km vom Hotel. Unter der Woche ruhig — an Wochenenden eine der meistbesuchten Wanderrouten der Provinz. — © La Almunia del Valle
Für alle, die es ruhiger wollen, gibt es kaum bekannte Alternativen. Eine davon: die Circular de los Cahorros (PR-A 283). Derselbe Canyon, aber von oben. Neun Kilometer durch Kiefernwälder und Weideland, hoch über der Schlucht, mit Panoramablick auf die Felsspalte unten und die Hochgipfel dahinter. Kaum jemand dort. Fast meditativ.
Im Oktober leuchten die Kastanienwälder ringsum in einem tiefen Gelb und Orange. Sierra Nevada beherbergt einige der ältesten Kastanienhaine Europas. Die Temperaturen sind angenehm, die Gipfel schon leicht bepudert, die Wege ruhig.
Man kommt zurück, kühlt sich im Pool ab — das Wasser kommt direkt aus den Bergen — und setzt sich auf die Terrasse. Ein Glas Wein. Die alten Olivenbäume ringsum. Die Herzlichkeit der Besitzerinnen, die persönlich mit einem reden. Man fühlt sich herzlich aufgenommen und angekommen.
»Das Licht und der Blick auf die Berge, morgens wie bei Dämmerung, sind etwas Besonderes. Die Stille, die Brise der sauberen Luft, das Licht das sich verändert und von den Bergen zurückwirft — das schafft Momente, die bleiben. Und wenn man Glück hat, sieht man die Steinböcke die Felsen gegenüber queren. Consider yourself fortunate.«
— Pat Merino, La Almunia del Valle
Die Menschen dahinter
Pat Merino und José Manuel Plana führen La Almunia del Valle gemeinsam. Sie sind täglich präsent — Pat spricht persönlich mit jedem Gast. Die Menschen, die hierher kommen, lieben genau das.
Das Fleisch im Restaurant kommt von Pajuna-Rindern aus der Sierra Nevada — eine alte, robuste Rasse, gezogen von kleinen Familienbetrieben in der Region. Die Töpfe für Shampoo und Duschgel stammen von einer lokalen Töpferin. Sie werden nachgefüllt, nicht weggeworfen. Man merkt: hier wird auf das kleinste Detail geachtet.
Olivenernte auf dem Anwesen. Kleine Familienbetriebe aus der Region — Pats gelebte Philosophie. — © La Almunia del Valle
»I've always believed that the purpose of rural accommodations is to foster sustainable development in the municipalities where they operate. We must work with the community in mind, respecting its land and customs, while also promoting local crafts to encourage young people to settle in the villages. Fair and honest trade encourages people to work in rural areas. In this way, communities won't disappear. I truly believe this makes us all happy.«
— Pat Merino
Das ist ein Landgut, das man spürt. Die Liebe zum alten Anwesen, zur Umgebung, zur Gemeinschaft, zum Ort, wo man lebt. Bis zum kleinsten Detail.
Eine Stunde weiter östlich — die Gorafe-Wüste
Man fährt los. Die Landschaft verändert sich langsam. Immer trockener. Immer rötlicher. Und dann, nach einer Stunde Fahrt Richtung Osten, stehen die ersten Hügel aus rotem Ton vor einem — erodiert über Jahrmillionen zu Formen, die an den Mars erinnern. Man blickt ringsum. Und es ist weit und breit nichts anderes zu sehen.
Der Blick über die Gorafe-Wüste. Im Hintergrund: die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. — © Jan & Alica · @knuet_advanture
»Uns hat diese Weite sehr überrascht. Du stehst da und siehst nichts anderes als die Wüste — als würde es kein ›Dahinter‹ geben. Das kommt auf Fotos gar nicht rüber. Umso krasser, es in real life mal zu sehen.«
— Alica & Jan · @knuet_advanture
Der Geopark Granada erstreckt sich über 4.700 Quadratkilometer — UNESCO-geschützt, und außerhalb Spaniens kaum bekannt. Rund 242 neolithische Dolmen ziehen sich entlang des Flusses Gor: eine der größten Megalith-Konzentrationen Europas, mitten in dieser Wüstenlandschaft.
Links: Der 4x4-Rundweg durch Los Coloraos. Rechts: Rot und Grün — ein Kontrast, den kein Foto vollständig einfängt. — © Jan & Alica · @knuet_advanture
»Am magischsten waren die Farben der Felsen, die sich kilometerweit vor einem erstrecken. Aber auch die Stille ist etwas Besonderes — bis auf einige Vögel und den Wind hörst du nichts.«
— Alica & Jan · @knuet_advanture
In der Nacht gehört Gorafe zu den dunkelsten Himmeln in ganz Andalusien. Man sitzt im Campingstuhl, schaut nach oben, und begreift wie groß die Stille wirklich ist.
»Der Sternenhimmel war wirklich beeindruckend. Unmengen an Sternen, soweit das Auge reicht. Ein besonderer Moment.«
— Alica & Jan · @knuet_advanture
Abends fährt man zurück nach Monachil. Auf die Terrasse von La Almunia. Wein, Berge, Stille einer anderen Art.
Für wen ist das
Für Abenteurer, die in der Sierra Nevada die Natur erleben wollen — wandern, klettern, Kayak fahren auf dem Stausee Canales, und vieles mehr. Die Region bietet Aktivitäten ohne Ende. Wer die Weite sucht, fährt zur Gorafe-Wüste. Und wer nach all dem ankommen will, kehrt zurück zu La Almunia — zur Stille, zur Terrasse, zum Wein.
Kein gutes Ziel ohne Auto — das Hotel liegt einen Kilometer oberhalb von Monachil, Gorafe ist ohne eigenes Fahrzeug kaum erreichbar. Auch kein flaches Gelände: Das Gebäude ist in den Hang gebaut, Treppen gehören dazu.
Unterkunft
La Almunia del Valle
Camino de la Umbría s/n
18193 Monachil, Granada
laalmuniadelvalle.com
Zimmer & Preis
15 Zimmer
Ab ca. 145 €/Nacht inkl. Frühstück.
Direktbuchung über die Hotel-Website empfohlen.
Anreise
Flughafen Málaga (AGP)
Ca. 1,5 Std. Fahrt mit Mietwagen.
Flughafen Granada (GRX)
Ca. 20 Min. Fahrt.
Gorafe-Wüste
Ca. 55 Min. ab Hotel
4x4-Touren ganzjährig buchbar:
Cuevas El Torriblanco
+34 686 765 540
Beste Reisezeit
Frühling & Herbst
Frühling: Natur in voller Blüte, angenehme Temperaturen.
Herbst (Oktober): Kastanienfarben, klare Nächte für den Sternenhimmel in Gorafe.
Sommer heiß, Winter für Skifahrer interessant.
Mietwagen
Unverzichtbar — sowohl für die Umgebung von Monachil als auch für Gorafe.
Buchbar ab Málaga oder Granada.
Touren & Aktivitäten
- Los Cahorros — 2 km ab Hotel · Schlucht mit 63 m Hängebrücke und Steinpools · ca. 3 Std. · Unter der Woche empfohlen — an Wochenenden stark besucht
- Circular de los Cahorros (PR-A 283) — Kaum bekannte Alternative · Canyon von oben, Kiefernwald und Weideland · 9 km, ca. 3,5 Std. · jederzeit ruhig
- Gorafe-Wüste & Dolmen — Ca. 55 Min. ab Hotel · Geführte 4x4-Touren durch Los Coloraos, ca. 4 Std. · 242 neolithische Dolmen zu Fuß begehbar · Sternenhimmel abends
- Granada & Alhambra — Ca. 20 Min. ab Hotel · Sacromonte und Albaicín als Tagesausflug kombinierbar
- Birdwatching & Steinböcke — Natura-2000-Schutzgebiet direkt am Hotel · Greifvögel, Steinböcke auf den Felsen gegenüber
Notiz der Kuratorin
La Almunia del Valle ist ein Ort, den man spürt. Die Liebe zum alten Anwesen, zur Umgebung, zur Gemeinschaft. Bis zum kleinsten Detail — selbst der Seifenspender kommt von einer lokalen Töpferin. Pat glaubt fest daran, dass regionaler Tourismus die einzige Lösung ist, die wirklich etwas bewegt. Und genauso wurde dieses Landgut aufgebaut. Das merkt man, wenn man ihre Antworten liest.
Und dann, eine Stunde weiter: Gorafe. Eine Landschaft wie von einer anderen Welt. Rote Felsen, die bei Sonnenuntergang leuchten. Eine Stille, in der man tatsächlich gar nichts hört — außer Vögeln und Wind. In der Nacht ein Sternenhimmel, der einem klarmacht, wie weit alles ist. Das ist Spanien auf eine Art, wie man es vielleicht noch nicht kannte.
— Claudia, die Kuratorin
Hotelfotos: © La Almunia del Valle · Gorafe-Drohnenfotos: © Jan & Alica · @knuet_advanture