Ciudad Perdida — die verlorene Stadt der Tayrona
Wander Wonders · Ausgabe 01
Lost City Trek · Wiwa Tours · Sierra Nevada de Santa Marta · Kolumbien

Die verlorene
Stadt

Vier Tage durch den Dschungel — zu einer Stadt, die älter ist als Machu Picchu und nur zu Fuss erreichbar bleibt.

Stufe für Stufe. Rund 1.200 davon, vom Flussufer den Hang hinauf. Kein Tor oben. Nach tagelangem Wandern tritt man einfach aus dem Dschungel heraus — und steht plötzlich auf Stein, der vor über tausend Jahren von Hand gelegt wurde. Unter einem liegt das Tal der Sierra Nevada de Santa Marta. Und man begreift: Diese Stadt wollte nicht gefunden werden.

Teyuna — die Indigenen nennen die Stadt so. Ciudad Perdida ist der Name, den kolumbianische Schatzsucher ihr gaben, als sie die Stätte 1972 zufällig entdeckten. Älter als Machu Picchu. Bis heute nicht touristisch erschlossen. Nur zu Fuss erreichbar, nach vier bis fünf Tagen durch den Dschungel.

Maultier mit Gepäck auf dem Dschungelpfad
Maultiere tragen das Gepäck — man selbst trägt nur den Tagesrucksack. © Alina Böhmer

Ein Weg, der verdient werden will

Der Lost City Trek ist ein mehrtägiger Wanderweg durch die Sierra Nevada de Santa Marta. Er führt durch Regenwald, über Flüsse, durch indigene Dörfer — und endet an einer archäologischen Stätte, die zu den bedeutendsten Südamerikas zählt.

Einziger zugelassener Anbieter mit indigenen Guides: Wiwa Tours, Santa Marta. Die Guides sind direkte Nachfahren des Wiwa-Volkes — Nachkommen der alten Tayrona, die Teyuna einst bewohnten. Vier Völker hüten die Stadt bis heute gemeinsam: Wiwa, Kogui, Arhuaco, Kankuamo.

Dschungel, Fluss, Feuer

Der Weg beginnt am Eingang des Regenwalds. Bergauf, bergab — so wie Kolumbien eben ist. Die Hitze liegt schwer, der Pfad ist feucht. Den grossen Rucksack lässt man in Santa Marta. Mit auf den Weg kommt nur ein kleiner Daypack — Kleider, Wasser, Kamera. Maultiere tragen die Verpflegung für die Camps; wer möchte, kann gegen Aufpreis auch eine kleine Tasche draufladen.

Unterwegs passiert man mehrfach den Buritaca River. Man springt hinein, mitten im Dschungel. Dann weiter. Am Wegrand trifft man auf Frauen, die Handwerk verkaufen, auf Kinder, die mit dem spielen, was die Natur hergibt — und dich neugierig beobachten. Kleine Schweine laufen an der Leine neben dem Weg.

Übernachtet wird in Camps auf indigenem Land — Stockbetten, Moskitonetz, einfache Duschen. Kein Vier-Sterne-Hotel, aber deutlich komfortabler als viele erwarten. In manchen Camps gibt es sogar WLAN zu kaufen. Ob man es nutzt, ist eine andere Frage. Beim Einschlafen kann man den Geräuschen des Dschungels zuhören — Grillen, Frösche, Affen. Das kann wirklich beruhigend sein. Es sei denn, der Bettnachbar schnarcht. Das kann natürlich passieren — und darauf muss man sich einstellen. Beim 5-Tages-Trek schläft man eine Nacht direkt in der Wiwa-Gemeinschaft Gotsezhy.

Am Abend sitzt man am Lagerfeuer. Die Guides erzählen — über die vier Völker, über das Pagamento-Ritual, über die Mamos, die spirituellen Führer, die jedes Jahr im September die Stadt schliessen, damit Mutter Erde sich erholen kann.

„Eines Abends saß ich gemeinsam mit einem der indigenen Guides am Tisch. Er fragte mich, ob er mir etwas in mein Tagebuch schreiben dürfe — und schrieb mir Übersetzungen aus seiner Sprache ins Spanische."

Alina Böhmer, Lost City Trek  ·  @alinaboehmer
Traditionelle Rundhütten eines indigenen Dorfes
Traditionelle Rundhütten eines indigenen Dorfes auf dem Weg zur Ciudad Perdida. © Alina Böhmer

Das Volk, das die Stadt hütet

Wiwa Tours ist nicht einfach ein Reiseveranstalter. Es ist das Volk selbst, das die Tour betreibt. Der offizielle Auftrag der kolumbianischen Regierung: ausschliesslich indigene Guides dürfen Besucher zur Ciudad Perdida führen. Alle anderen lizenzierten Agenturen buchen über dieselbe Route — Fünf Agenturen sind lizenziert. Wiwa Tours ist die einzige, die ausschliesslich mit indigenen Guides arbeitet — direkte Nachfahren der Tayrona, für die Teyuna kein Ausflugsziel ist, sondern Heimat.

Vor dem Betreten der Stadt führen die Guides ein Pagamento-Ritual durch — eine spirituelle Zeremonie, die Schutz erbittet und die Verbindung zur Erde erneuert. Man geht danach anders hinein.

Person auf den Steinterrassen der Ciudad Perdida
Auf den Steinstufen der Sierra Nevada — nach tagelangem Dschungelmarsch. © Alina Böhmer

Für alle, die einen Grund suchen

Für Menschen, die wandern können und wollen — und die verstehen, dass ein anstrengender Weg kein Fehler ist, sondern der Grund, warum der Moment oben so ist, wie er ist. Man muss fit sein, aber kein Profi. Hitze und einfache Unterkünfte müssen kein Problem sein.

Nichts für jemanden, der Komfort erwartet. Alles für jemanden, der eine Geschichte sucht, die er nirgendwo sonst erlebt hätte.

„Wenn du gerne wanderst und ein paar Tage fernab der Zivilisation verbringen möchtest, bist du hier genau richtig. Du tauchst in eine Kultur ein, die noch immer im Einklang mit der Natur lebt. Die Hitze, die vielen Höhenmeter und die über 1.000 Stufen sind eine Herausforderung — gleichzeitig ermöglichen sie es, sich wieder auf eine besondere Weise mit sich selbst zu verbinden. Belohnt wird man mit einem magischen Ort. Und das kühle Bier danach schmeckt gleich doppelt so gut."

Alina Böhmer, Lost City Trek  ·  @alinaboehmer

Was man wissen sollte

Anbieter Wiwa Tours, Santa Marta — wiwatour.com Dauer 4, 5 oder 6 Tage. Der 5-Tages-Trek empfiehlt sich: ruhigere Rückroute, weniger Mitreisende, Übernachtung im Wiwa-Dorf Gotsezhy. Kosten Ca. 400–600 USD all-inclusive (Transport, Unterkunft, alle Mahlzeiten, Guide). Preise sind reguliert und bei allen Anbietern identisch. Anreise Ausgangspunkt Santa Marta. Transfer ca. 2–3 Stunden zum Startpunkt. Flüge via Bogotá. Gepäck Man trägt selbst einen kleinen Daypack (20–30 Liter) mit persönlichen Sachen. Maultiere transportieren Verpflegung und Versorgungsgüter für die Camps. Gegen Aufpreis kann man eine Tasche (max. 5 kg) aufs Maultier laden — tagsüber kein Zugriff, abends im Camp verfügbar. Hauptgepäck bleibt in Santa Marta. Beste Zeit Dezember bis März. Schliesszeit: ca. September (spirituelle Reinigung). Essen Frühstück mit Früchten, Kaffee, heisser Schokolade. Mahlzeiten: Reis, Gemüse, Nudeln. Unterwegs Früchte und Snacks. Alle Berichte loben das Essen.
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In der Region

  • Lost City Trek — 4, 5 oder 6 Tage mit Wiwa Tours
  • Flamingo-Tour — 2 Tage mit Wiwa Tours (siehe unten)
  • Awatawaa Ecolodge — Erholung an der Karibikküste nach dem Trek (separate Empfehlung)
  • Don Diego River — Tubing + Taironaka-Ruinen + Kogui-Gemeinschaft

Die Flamingo-Tour

Wiwa Tours bietet seit wenigen Jahren eine zweitägige Flamingo-Tour an — noch kaum bekannt, touristisch kaum erschlossen, und genau deshalb einen Blick wert.

Der erste Tag gehört den Menschen. Man besucht drei indigene Gemeinschaften: die Wiwa, die Arhuaco und die Wayúu. Bei den Arhuaco lernt man, wie aus der Kakaofrucht per Hand Schokolade entsteht — ein Prozess, der Kindern in der Gemeinschaft von klein auf beigebracht wird. Bei den Wayúu trinkt man Chicha, das traditionelle fermentierte Getränk, und erlebt den Chichamaya — einen Tanz, der zu Trommelrhythmen aufgeführt wird und Geschichten erzählt, die älter sind als jeder Reiseführer. Die Nacht verbringt man im Dorf.

Am zweiten Morgen, früh, fährt man per Kanu hinaus in das Santuario de Fauna y Flora Los Flamencos. Das Wasser ist still, der Nebel noch nicht ganz weg. Und dann: Flamingos, aus nächster Nähe, in ihrem eigenen Rhythmus. Ein lokaler Guide erklärt das Schutzgebiet — nicht als Vortrag, sondern als Gespräch auf dem Wasser.

Wer den Lost City Trek bereits hinter sich hat, findet hier den perfekten Übergang: von der Anstrengung des Dschungels zur Stille der Lagune.

Kuratorinnen-Notiz

Gespannt habe ich Alinas Antworten gelesen — und wollte sofort aufbrechen. Tagelang durch den Dschungel wandern, die Ruhe geniessen, den Tieren zuhören. Wie in einem Indiana-Jones-Abenteuer zu einer Stadt wandern, die vor Jahrtausenden gebaut wurde, kaum erschlossen ist — und zu der man nicht einfach mit dem Auto fährt, sondern wirklich nur zu Fuss.

Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Der Weg ist das Ziel. Die kulturellen Begegnungen unterwegs, die Art wie die indigenen Völker leben, das Lagerfeuer am Abend. Die Ciudad Perdida am Ende ist die Belohnung — aber das Abenteuer beginnt schon am ersten Schritt in den Dschungel.

Wander Wonders empfiehlt Wiwa Tours — nicht weil es der einzige Anbieter ist, sondern weil es der richtige ist.

— Claudia, Kuratorin Wander Wonders

Fotografien: Alle Bilder in diesem Artikel stammen von Alina Böhmer, die den Lost City Trek selbst erlebt hat. Ihr findet ihr Werk auf Instagram: @alinaboehmer

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