AubergeDeTamezret_CreditStefanOffermann_Hotel

Tamezret · Matmata-Berge · Tunesien

Eine Tür im Fels.
Dahinter: 1000 Jahre.

L'Auberge de Tamezret ist kein Hotel. Es ist ein Berberhof, in dem Jahrhunderte im Stein schlafen, Geschichten am Tisch erzählt werden und beim gemeinsamen Essen gelacht und genossen wird.

© Stefan Offermann / L'Auberge de Tamezret

Die Tür ist klein. Sie sieht aus wie alle anderen Türen in Tamezret — eine alte Holztür, in einer Lehmwand, in einer Gasse, in einem Dorf das die meisten Landkarten vergessen haben. Kein Schild. Keine Nummer. Man sucht, findet, klopft — und steht plötzlich in einem der ungewöhnlichsten Häuser Nordafrikas.

AubergeDeTamezret_CreditStefanOffermann_ViewTamezret
© Stefan Offermann / L'Auberge de Tamezret

Ein Houch aus dem Fels

Tamezret heisst auf Berberisch Ath Mizret — «Kinder von Mizret». Das Dorf liegt in den Matmata-Bergen, zwölf Kilometer westlich von Matmata, fünfzig Kilometer von Gabès entfernt. Auf dem Weg hierher passiert man keine Hotels. Keinen Souvenirmarkt. Nur Fels, Oliven und Stille.

L'Auberge de Tamezret wurde aus einem verfallenen Houch heraus aufgebaut — einem traditionellen Berberhof mit zehn Räumen und drei Grotten, teilweise in den Kalkfels gehauen. Patrick Bourseaux, gelernter Hotelfachmann aus Belgien, entdeckte das Haus 2012 und begann 2013 mit der Restaurierung. «Wir haben das Haus inspiriert, ein neues Leben zu bekommen», sagt er.

Heute gibt es drei Zimmer: Dahya, Oumema, Toumadir. Jedes anders, jedes mit Originaltüren und Holzbalkendecken. Eines davon hat das Bett in einem Felsenalkov — man kriecht hinein, liegt still, und hört nichts als den Wind über dem Dorf.

AubergeDeTamezret_CreditStefanOffermann_Room
© Stefan Offermann / L'Auberge de Tamezret

Essen in der Grotte

Jeden Abend setzt man sich an einen gemeinsamen Tisch. Man weiss vorher nicht, wer sonst noch kommt — Motorradfahrer:innen aus Österreich, ein Pärchen aus England das mit dem Zug angereist ist, eine Gruppe aus Frankreich. Patrick schenkt Wein ein. Tunesischer Wein, aus einem gut sortierten Keller der in eine Felsengrotte führt, die vor 2000 Jahren jemand in den Berg gegraben hat.

«Das Abendessen wird in unserer Grotte serviert — Tunesiens ältestes Esszimmer.»

— Patrick Bourseaux, L'Auberge de Tamezret

Sabrine kocht. Sie bringt zuerst die Kemia — kleine tunesische Vorspeisen, vier oder fünf verschiedene, jede anders gewürzt. Dann kommt das Hauptgericht — man bekommt was der Monat hergibt, nicht was auf der Speisekarte steht. Seit drei Monaten kein Orangensaft mehr. Dafür bald Granatapfel. Und zum Schluss ein hausgemachtes Dessert, manchmal der Um Ali — ein ägyptisches Dessert, das zeigt wie selbstverständlich orientalische Küche in Tunesien ist.

Das nächste Restaurant ist fünfzehn Kilometer entfernt — man weiss nach ein paar Tagen, warum man lieber hierherkommt.

AubergeDeTamezret_CreditStefanOffermann_Restaurant
© Stefan Offermann / L'Auberge de Tamezret
AubergeDeTamezret_CreditStefanOffermann_Dessert
© Stefan Offermann / L'Auberge de Tamezret

Patrick, Sabrine — und ihre Nachbarn

Patrick lebt seit 2005 in Tunesien. Nach der Revolution von 2011 blieb er — und suchte statt eines neuen Jobs ein Haus.

Sabrine kocht was da ist. Und sie kocht es so, dass Gäste ein Teil der tunesischen Kultur erfahren und trotzdem mit Besonderheiten verführt werden.

Zehn Minuten zu Fuss bergauf steht das Café Ben Jemaa — 1932 gegründet, heute von Kawther geführt. Sie ist 1999 aus Tunis zurückgekehrt und hat das Café ihrer Familie komplett renoviert. Heute erklärt sie auf Englisch die Geschichte des Dorfes und der Berber. Das Café hat sich touristisch ausgerichtet — und die Einheimischen kommen trotzdem. Weil Kawther eine von ihnen ist.

Und da ist noch Mongi Bouras. Informatiker, früher in Tunis, vor zwanzig Jahren zurückgekehrt ins Dorf. Er hat das Familienhaus übernommen und ein Museum eingerichtet — ein verbales Museum mit kleinen Exponaten und sehr viel Wissen. Reiseagenturen bringen Gruppen zu ihm. Er erklärt die Berberkultur und die christliche, jüdische, muslimische Geschichte Tunesiens.

AubergeDeTamezret_CreditStefanOffermann_Terrace
© Stefan Offermann / L'Auberge de Tamezret

Einfach, besonders und gemütlich.

Die Türen ins Bad sind halbhoch. Die Treppen steil. Die Betten liegen in Felsalkoven, zu denen es keinen seitlichen Zugang gibt. Das ist kein Fehler — das ist das Haus. Wer schon immer wissen wollte wie es sich anfühlt in einer 2000 Jahre alten Grotte zu schlafen, findet hier die Antwort.

Drei Zimmer bedeutet: Man kommt an, kennt die anderen Gäste beim ersten Abendessen beim Namen, und teilt am nächsten Morgen das Frühstück mit jemandem, den man sonst nie getroffen hätte.

Patrick hat Gäste aus Österreich, der Schweiz, Belgien, England. Motorradfahrer:innen, die aus Genua die Fähre nehmen. Paare, die nicht mehr fliegen wollen und mit dem Zug bis Marseille fahren. Reisende, die Djerba kennen und verstehen: Das Landesinnere ist ein anderes Tunesien.

Praktische Informationen

Anreise

Ab Djerba ca. 1,5–2 Std. mit Mietwagen oder Privattransfer. Ab Tunis ca. 5–6 Std. mit dem Auto.

Beste Reisezeit

März bis Mai & Oktober bis November. Mild, sonnig, keine Hitze. Ideal für Wanderungen und Wüstentouren. Sommer (Mai–September) zu heiss für Ausflüge.

Kosten

Ca. 100–115 € pro Nacht. Doppelzimmer auf Halbpensionsbasis — Frühstück und Abendessen inklusive. Nur drei Zimmer.

Buchung

tamezret.com · +216 75 244 026 · Booking.com. Frühzeitig buchen — nur drei Zimmer.

Vor Ort

Kein Taxi im Dorf. Anreise per Mietwagen oder Privattransfer. Drei Louage-Busse täglich nach Matmata und Gabès.

Sicherheit

Tamezret und die gesamte Route liegen im sicheren Korridor. Wüstenausflüge nur organisiert — genau wie Patrick es anbietet.

Ausflüge ab Tamezret

Patrick organisiert alle Ausflüge auf Anfrage — der Fahrer holt direkt vor der Auberge ab.

Halbtag · zu Fuss — Dorf & Museum

Mongi Bouras erklärt im Berbermuseum die Geschichte von Tamezret. Zehn Minuten bergauf: Kawther und das Café Ben Jemaa, seit 1932. Gewürztee und Panorama.

Ganztag · mit Auto — Berberdörfer & Ksour

Toujane (30 Min.), Chenini und Douiret (1,5–2 Std.), Ksar Ouled Soltane — die vollständigste erhaltene Ghorfa-Speicherburg der Region. La Grande Traversée du Dahar: 200 km Trek. Km-0 direkt vor der Auberge. Guides: destinationdahar.com

1–2 Nächte · 4x4 — Wüstennacht Ksar Ghilane

Eine Stunde südlich: Grand Erg Oriental. Camp Zmela, abseits der Oase — private Zelte, heisse Quelle (34 °C), Sonnenaufgang über den Dünen. Rückfahrt direkt zur Auberge.


Teil II — Lasfar, Terguil und der weite Sand

Eine Méharée ist keine Touristenattraktion. Sie ist ein anderes Tempo. Eine andere Art, anzukommen.

Kein Quad. Kein 4x4. Nur Kamele.

Eine Méharée ist eine Karawane durch die Sahara — zu Fuss und auf dem Kamel, mit einem Chamelier als Begleiter, einem Biwakzelt als Unterkunft und nichts, das stört. Kein Pool. Kein Generator. Kein Buffet. Man schläft im Sand. Man wacht auf, wenn der Himmel heller wird.

Die Méharée kann man in Tunesien zwischen Douz und Ksar Ghilane erleben — und mit einem Aufenthalt in der Auberge de Tamezret kombinieren. Man fährt per 4x4 nach Douz, findet einen Chamelier, und bricht auf.

«Ich ging in das Café, wo die Kamelführer zusammenkommen, und fragte einfach nach. So lernte ich Omar kennen.»

— Pierre Lafont

MehareeTunisia_CreditPierreLafont_CamelRiding
© Pierre Lafont

Omar, Lasfar und Terguil

Pierre ist kein Abenteurer. Er ist Vater, unterwegs mit seiner Familie. Er hat keine grosse Reiseagentur gebucht. Er ist ins Café gegangen, hat gefragt, und Omar gefunden.

Ein paar Stunden später kauften sie gemeinsam Essen ein und bereiteten die Kamele vor: Lasfar und Terguil. Dann brachen sie auf — Omar, die Familie, und der offene Horizont.

«Was die Erfahrung so besonders gemacht hat, war nicht einfach die Wüste. Es war sie mit Omar zu teilen. Er führte uns nicht nur durch die Sahara — für einen Abend und eine Nacht lud er uns in seine Lebensweise ein.»

— Pierre Lafont, Méharée mit Alam Voyages

MehareeTunisia_CreditPierreLafont_WalkingDessert
© Pierre Lafont
MehareeTunisia_CreditPierreLafont_Cooking
© Pierre Lafont

«Man muss kein Abenteurer sein. Man muss nur neugierig sein. Je weniger man versucht, die Erfahrung zu kontrollieren, desto mehr geniesst man sie. Lass die Wüste das Tempo vorgeben.»

Es gibt fast nichts zu sehen.

Pierre schreibt: «Reisen bedeutet nicht immer, mehr zu sehen. In der Wüste gibt es buchstäblich fast nichts zu sehen. Manchmal geht es darum, langsam genug zu werden, um wirklich wahrzunehmen, wo man ist.»

Seine Familie wird nicht jede Strecke erinnern, die sie in Tunesien gefahren sind. Aber die Nacht in der Sahara werden sie behalten — das Kamelreiten, den Couscous am Lagerfeuer, den Sternenhimmel, den Sonnenaufgang über den Dünen.

Das ist die Méharée. Kein Erlebnis für alle. Aber ein Erlebnis, das bleibt.

MehareeTunisia_CreditPierraLafont_Fire
© Pierre Lafont

So buchst du eine Méharée

Anbieter: Alam Voyages · Ansprechpartner: Hatem · alam-voyages.com · Basis: Douz

Route: Ab Douz Richtung Ksar Ghilane · Biwak, kein festes Camp · Kombination mit Auberge möglich

Für wen: Familien, Paare, Neugierige · Kein Fitnesslevel erforderlich

Beste Reisezeit: Oktober bis April · Sommer zu heiss

Kuratorinnen-Notiz

Ich war nicht in Tamezret. Und ich bereue das gerade sehr. Was mich an diesem Ort festhält, ist die Überraschung — ich hatte wenig erwartet und sehr viel bekommen.

Der Süden Tunesiens ist eine ganz andere Welt. Aber keine leere. Die Wüste lebt — in jahrhundertealten Höhlendörfern, in den Spuren der Berber, in der Stille zwischen zwei Dünen. Man erlebt wenig, und gleichzeitig sehr viel. Eine Méharée auf dem Rücken eines Kamels. Eine Wanderung in die Weite. Und am Abend, nach einem langen Tag in der Hitze, sitzt man im Café Ben Jemaa, trinkt einen Kaffee und hört Kawther zu — Geschichten über ein Volk, das schon da war, lange bevor irgendjemand an Tourismus dachte.

Das ist Tamezret.

Fotos Auberge: © Stefan Offermann — mit freundlicher Genehmigung von L'Auberge de Tamezret. Fotos Méharée: © Pierre Lafont.