view panorama Zagori valley Kato Pedina
Wander Wonders · Ausgabe 02 · Griechenland · Zagori

Apeiros Chora
Das Land
ohne Ende

Ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert. Eine Familie seit Generationen. Und ein Tal das einen vor Ehrfurcht erstarren lässt.

„Coming back at dusk after the gorge, cold and tired, to a fire already lit and the whole village gone completely quiet. I sat outside with a tsipouro and watched the Pindus turn from gold to violet, with no sound except water somewhere far below."

— Dimitris, Gast

Der Ort

Zagori liegt im Nordwesten Griechenlands, dort wo das Pindus-Gebirge seine steilsten Flanken zeigt. Rund 46 Steindörfer, verbunden durch Kalderimi-Pfade — handverlegte Steinplatten, die seit Jahrhunderten Dörfer, Pässe und Handelsstationen miteinander verbinden — und Bogenbrücken aus trocken gesetztem Stein ohne einen Tropfen Mörtel. Wer hier ankommt, merkt schnell: Das ist echt. Eine Landschaft die Menschen vor 1000 Jahren gebaut haben — und die diese Menschen geprägt hat.

Das osmanische Empire hat diese Region einst vergessen — und genau das hat sie so gut erhalten, wie sie heute ist. Seit 2023 gehört die Zagori-Kulturlandschaft zum UNESCO-Welterbe. Der Blick der Welt richtet sich erst langsam hierher. Es lohnt sich, früh zu kommen.

Im Herzen davon: die Vikos-Schlucht — tiefer als der Grand Canyon im Verhältnis zu ihrer Breite. Der Voidomatis fließt am Schluchtengrund, einer der klarsten Flüsse Europas. Tiefes, durchsichtiges Blau. Wasser das so klar ist, dass man vergisst wie kalt es sein wird.

gorge Vikos landscape Zagori

Die Vikos-Schlucht — © Apeiros Chora

Das Herrenhaus

Kato Pedina liegt auf 950 Metern, über einem Tal das unter europäischem Naturschutz steht — 4.000 Hektar Bergwelt, die niemand bebauen darf. Apeiros Chora — der Name bedeutet „Das Land ohne Ende" — ist ein aristokratisches Anwesen aus dem späten 17. Jahrhundert. Mehrere individuell gestaltete Suiten; jede trägt ein eigenes Farbklima, eigene Möbel, eine eigene Stille.

Wer das Haus betritt, findet ein kleines Labyrinth. Salonfolgen, Lesenischen, Terrassen, versteckte Winkel — Gäste entdecken noch am letzten Abend neue Ecken. Apeiros Chora wurde nie als Hotel gebaut. Ein gemütlicher Ort um ins Gespräch zu kommen und die Nähe dieses wundervollen Ortes zu spüren.

„The house comes alive in the same way it was intended to for generations: as a place where people gather, talk, laugh, and spend time together."

— Xenofon Kontouris, Gastgeber

Die Menschen

Das Herrenhaus gehört der Familie Kontouris — seit dem späten 17. Jahrhundert in diesem Tal verwurzelt. Was Xenofon Kontouris heute leitet, ist kein Hotel. Es ist ein Familienhaus das Gäste empfängt. Die Nähe, das Herz in diesem Gebäude — das spürt jeder Gast sofort.

Seine Frau Athina Aslanidou, Innenarchitektin, hat die Restaurierung gestaltet. Was am schwersten zu bewahren war: der originale handgemachte Wandverputz. Die Zeit hatte ihren Tribut gefordert. Athina hat ihn neu erschaffen — mit denselben Materialien, aber anderen Händen.

Und dann sind da die Fenster. Zwei Glasscheiben im Salon tragen einen Riss — von einem Splitter aus dem Zweiten Weltkrieg, als das Haus als Militärhauptquartier diente. Den Splitter bewahrt die Familie noch heute auf. Die Form des Risses entspricht genau der Form des Metalls. Xenofons Großvater — damals bereits über siebzig — lief sieben bis acht Stunden zu Fuß von Ioannina herauf, mit einem Maultier, um die Familie zu versorgen. Die Fenster sind geblieben.

„Ich kam und erwartete Design. Ich fand Erinnerung."

— Dimitris, Gast

kitchen breakfast table morning Apeiros Chora

Das Mageireio — Morgen in Apeiros Chora · © Apeiros Chora

Das Erlebnis

Morgens: Brot das Athina selbst gebacken hat, Marmeladen, Pies mit wilden Bergkräutern. Der Duft aus der Küche — die Familie nennt sie Mageireio — zieht durch die Steinkorridore bevor man die Augen aufmacht. Eine einzigartige, gemütliche Stimmung.

Und dann: die Schlucht. Die Vikos-Schlucht lässt sich das ganze Jahr wandern — die vollständige Querung von Monodendri nach Vikos ist zwölf Kilometer, sechs bis acht Stunden. Für jene die es ruhiger mögen: der Beloi-Aussichtspunkt, von dem die Schlucht unter einem aufklafft wie eine Wunde im Kalkstein. Früh hingehen, bei erstem Licht.

„Go early, before anyone else, while the mist is still in the bottom and the cliffs are just catching the sun — you don't really photograph it, you feel how small you are."

— Dimitris, Gast

rock pool crystal clear water Papingo stone bridge ancient arched Zagori

Papingo Felsenpools · Steinbrücke Kalogeriko — © Dimitris Stathop

Die Papingo-Felsenpools — eiskaltes, türkisblaues Wasser das zum Reinspringen einlädt. Die Vradeto-Steinstufen. Die Bogenbrücken von Kalogeriko und Kokkori. Wer Ausdauer hat: der Drakolimni, der Drachensee auf dem Tymfi, auf 2.050 Metern. Überall Steinstufen die seit Jahrhunderten liegen — jede erzählt ihre Geschichte.

Auf dem Rückweg: kleine Steindörfer mit Tavernen, regionalem Essen — Filo-Teig mit Bergkräutern, Pilze, Wildschwein, Trüffel. Was das Land hergibt, landet auf dem Teller. Auf Anfrage arrangiert Apeiros Chora private Trüffelsuchen für Hotelgäste — drei bis vier Stunden im Wald mit spezialisierten Hunden, dann gemeinsam kochen mit dem Gefundenen.

Die Stille

Xenofon empfiehlt: nicht zu viele Aktivitäten planen. Die unvergesslichsten Momente entstehen aus dem unerwarteten Gespräch, dem versteckten Pfad — wenn man einfach langsamer wird.

An den meisten Morgen liegt Nebel im Tal. Er treibt sanft zwischen den Hügeln, Berggipfel tauchen wie Inseln daraus auf. Im Frühling und Herbst hört man den Ruf des Steinkauzes — den Gkionis — in der Dämmerung. Für die Menschen des Dorfes das Zeichen der wechselnden Jahreszeiten.

Abends kehrt man zurück. Das Feuer brennt. Das Dorf ist still. Der Pindus verwandelt sich von Gold in Violett.

„So many lovely hotels could be anywhere. This one could only be here."

— Dimitris, Gast

Das Herrenhaus ist aus demselben Stein wie die Brücken und die Pfade. Gehalten von einer Familie die nicht aufgehört hat.

Praktische Informationen

Anreise

Flughafen Ioannina (IOA)Ca. 30 Minuten per Mietwagen nach Kato Pedina. Verbindungen ab Zürich, München, Wien und Frankfurt — meist über Athen oder Thessaloniki. Ab Athen ca. 5 Stunden mit dem Auto, ab Thessaloniki ca. 3,5 Stunden.

Reisezeit

OktoberGoldenes Laub, kühle Wandertage, kein Sommerbetrieb. Frühling (Mai / Juni) ebenso außergewöhnlich. Beide Jahreszeiten: wenig Tourismus, volle Naturschönheit.

Preise

Ab ca. 280 € / NachtJe nach Suite und Saison. Frühstück immer inklusive. Direktbuchung empfohlen.

Buchen

apeiroschora.grDirektbuchung bei Xenofon und Athina. Auch per WhatsApp und Telefon erreichbar.

Aktivitäten

Das Haus koordiniertWandern, Rafting, River Trekking, Kayaking, Canyoning, Mountainbiking, private Trüffelsuchen. Tagesausflüge nach Meteora auf Anfrage.

Für wen

Wanderer, Paare, NaturliebhaberAktivitäten skalierbar — von gemütlichen Dorfspaziergängen bis zu Rafting, Kayaking und Canyoning. Für alle die entschleunigen wollen — und etwas Echtes spüren möchten.

Notiz der Kuratorin

„Ich war nicht dort. Aber ich kenne diesen Geruch — frisch gebackenes Brot das sich durch alte Steinmauern arbeitet. Man wird vom Frühstück geweckt, nicht vom Wecker."

Was mich an Apeiros Chora am meisten berührt: die Tiefe der Verwurzelung. Ein Herrenhaus, eine Familie, eine Schlucht die einen klein macht wenn man unten steht — und groß wenn man oben schaut. Zagori ist seit 2023 UNESCO-Weltkulturerbe und noch kaum bekannt. Dieser Artikel basiert auf Interviews mit Xenofon und Athina Kontouris sowie Berichten von Gästen. Die Einschätzung ist meine eigene.

— Die Kuratorin
Alle Fotografien mit freundlicher Genehmigung von Apeiros Chora und Dimitris Stathop.